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Fotoemulsion

Impressionen Zirn

In neuen Dimensionen

Der namhafte Fotograf Michael Zirn und die Künstler Claus Feldmann und Joachim Seinfeld wagten sich zusammen mit dem Architekten und ETH-Professor Miroslav Šik auf der Architekturbiennale 2012 für Pro Helvetia in Venedig an ein bis dato einzigartiges Projekt:

Fotografie direkt auf die Wand – Fotoemulsion auf 286 Quadratmetern

Der Hauptraum des Schweizer Pavillons wurde komplett mit einem Panoramabild umspannt und mit Fotoemulsion ausgekleidet. Das Projekt hieß „And Now the Ensemble“. Zirn und sein Team waren mit der technischen Umsetzung und Bearbeitung beauftragt. Das 58m lange und 5m hohe Projekt verlangte nach  Raffinesse und Erfindergeist.

Die Fotoemulsion, die normalerweise als lichtempfindliche Schicht auf Trägermedien wie Glas und Folien aus Zellulose oder Polyestern aufgetragen wird, musste nun auf 58 x 5 Meter Mauerwerk aufgetragen werden.

Nicht nur die Größe des Unternehmens sondern auch die Beschaffenheit der Wände und die klimatischen Begebenheiten im sommerlichen Venedig stellten eine besondere Herausforderung dar. Die so genannte Fotoemulsion ist viel mehr eine Suspension bzw. Gel bestehend aus Gelatine in dem feine Kristalle aufgeschlämmt sind. Sie ist in der einschlägigen Fotografen-Praxis schon seit langem bekannt und wird seit jeher zum Entwickeln von beispielsweise Fotos verwendet. Die Besonderheit bei diesem Projekt lag weniger im Entwickeln des Bildes, sondern an der Größe des Projekts und daran, dass das Bild direkt an der Wand entwickelt werden sollte. Das bisher größte Projekt in dieser Richtung fand in der Sowjetunion statt und war ca. 30m² groß. Das Panoramabild in Venedig allerdings sollte fast 300 Quadratmeter messen.

Selbstportrait zirn

Um dieses Gel auf den Wänden des gesamten Pavillons anzubringen musste der Raum komplett fachmännisch präpariert werden. Um die Belichtungszeit zu ermitteln wurden Proben mit Fotoemulsion eingelassenem Beton angefertigt. Als die Belichtungszeit feststand wurde die Fotoemulsion bei rotem Licht mit einer Luftdruckpumpe auf die Wände aufgetragen. Voraussetzung hierfür war es, die Temperatur des Raums auf 21 Grad zu halten.  Anschließend wurde der Schweizer Pavillon in eine Dunkelkammer verwandelt und die Fotoemulsion musste 24 Stunden aushärten. Gespannt wartete das Team auf das Ergebnis.

Mit der Umsetzung dieser Aufgabe kann das komplette Team mehr als zufrieden sein. Nicht nur aufgrund der beeindruckenden Größe des Werkes, sondern auch durch die raffinierte und aufwendige künstlerische Umsetzung, erregte „And Now the Ensemble“ großes Interesse und Aufsehen bei den Besuchern. Ein Werk dieser Art ist einzigartig und Zirn hat im Bereich der Fotoemulsion neue Maßstäbe gesetzt. Stolz berichtete er nach der Ausstellung „Der Erfolg zeigt uns, alles ist machbar“. Dieses Selbstportrait zeigt Michael Zirn.

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